Bundespatentgericht:
Beschluss vom 12. Dezember 2005
Aktenzeichen: 30 W (pat) 130/04

Tenor

Die Beschwerde wird zurückgewiesen.

Gründe

I.

Zur Eintragung in das Markenregister angemeldet ist die Wortmarke SET für die Waren

"Brillengläser; optische Gläser; Beschichtungen für Brillengläser".

Die Markenstelle für Klasse 9 hat die Anmeldung wegen fehlender Unterscheidungskraft und eines bestehenden Freihaltebedürfnisses durch Beschluss des Erstprüfers und in einem weiteren Beschluss auch die von der Anmelderin eingelegte Erinnerung zurückgewiesen. Der englische Begriff "Set" habe in der Bedeutung "Satz, Einheit, Anlage, Gerätesatz, Zusammenstellung" Eingang in die deutsche Sprache gefunden. Der Verkehr werde "SET" lediglich als Ausstattungshinweis erkennen, dass die so gekennzeichneten Waren zu einem Ganzen zusammengesetzt werden können, bzw. dass es sich um einen Satz aufeinander abgestimmter Teile handele.

Hiergegen hat die Anmelderin Beschwerde eingelegt und im wesentlichen ausgeführt, der Begriff "SET" habe sowohl in der deutschen als auch in der englischen Sprache zahlreiche unterschiedliche Bedeutungen, so dass ein beschreibender Charakter der Marke nicht ableitbar sei.

Der Verkehr könne auch bei Annahme des Bedeutungsgehaltes "zusammengehöriger Satz" keine eindeutige und unmittelbare Sachangabe entnehmen, da es offen bleibe, wie das Brillengläserset konkret aussehe, so dass der Bedeutungsgehalt daher diffus und auslegbar sei. Bei der Vielzahl der Bedeutungsmöglichkeiten ergebe sich keine Definition im Sinne einer Beschreibung für die Anzahl "zwei" oder einer paarweisen Zusammenstellung von Produkten. Der Begriff "SET" sei in Bezug auf die beanspruchten Waren nicht nachzuweisen und beschreibe keine konkrete Eigenschaft der Ware "Brillengläser". Hinsichtlich der Ware "Brillenbeschichtungen ergebe sich kein Warenbezug, da diese nicht als Set einsetzbar seien.

Die Anmelderin beantragt, die Beschlüsse der Markenstelle vom 9. Oktober 2003 und vom 22. März 2004 aufzuheben.

Wegen der weiteren Einzelheiten wird auf den Inhalt der Akten und die der Anmelderin übersandten Internetrecherchebelege Bezug genommen.

II.

Die zulässige Beschwerde der Anmelderin ist in der Sache ohne Erfolg.

Die angemeldete Marke "SET" ist für die beanspruchten Waren nach den Vorschriften des Markengesetzes von der Eintragung ausgeschlossen, da sie eine beschreibende Angabe i. S. v. § 8 Abs. 2 Nr. 2 MarkenG ist.

Nach § 8 Abs. 2 Nr. 2 MarkenG sind solche Marken von der Eintragung ausgeschlossen, die ausschließlich aus Zeichen oder Angaben bestehen, die im Verkehr u. a. zur Bezeichnung der Art, der Beschaffenheit, der Bestimmung oder sonstiger Merkmale der Waren und Dienstleistungen dienen können.

Der Eintragungsversagungsgrund des § 8 Abs. 2 Nr. 2 MarkenG steht einer Eintragung insbesondere dann entgegen, wenn der beschreibende Aussagegehalt der angemeldeten Bezeichnung so deutlich und unmissverständlich ist, dass sie ihre Funktion als Sachbegriff erfüllen kann. Dies ist dann der Fall, wenn sich den angesprochenen Abnehmern eine konkret beschreibende Angabe ohne die Notwendigkeit besonderer Denkprozesse unmittelbar erschließt, wobei auch bei fremdsprachigen Wörtern die Verständnisfähigkeit des inländischen Publikums nicht zu gering veranschlagt werden darf (vgl. Ströbele/Hacker, MarkenG, 7. Aufl., § 8 Rdn. 380).

Auf die Frage der Mehrdeutigkeit der angemeldeten Bezeichnung kommt es bei § 8 Abs. 2 Nr. 2 MarkenG grundsätzlich nicht an. Es ist zudem nicht erforderlich, dass die Zeichen oder Angaben, aus denen die Marke besteht, zum Zeitpunkt der Anmeldung bereits tatsächlich zu beschreibenden Zwecken für Waren oder Dienstleistungen, wie die in der Anmeldung aufgeführten oder für Merkmale dieser Waren oder Dienstleistungen verwendet werden. Es genügt, wie sich schon aus dem Wortlaut des § 8 Abs. 2 Nr. 2 MarkenG ergibt, dass die Zeichen oder Angaben zu diesem Zweck "dienen können". Ein Wortzeichen ist demnach von der Eintragung ausgeschlossen, wenn es zumindest in einer seiner möglichen Bedeutungen ein Merkmal der in Frage stehenden Waren oder Dienstleistungen bezeichnet. Dabei spielt es keine Rolle, ob es Synonyme oder gebräuchlichere Zeichen oder Angaben zur Bezeichnung dieser Merkmale gibt, da es nicht erforderlich ist, dass diese Zeichen oder Angaben die ausschließliche Bezeichnungsweise der fraglichen Merkmale sind (vgl. EuGH GRUR Int. 2004, 410, 413 - BIOMILD; EuGH GRUR Int. 2004, 500, 507 - Postkantoor).

Die angemeldete Marke besteht aus dem zum englischen Grundwortschatz gehörenden Begriff "SET" für "Satz, Zusammenstellung" (vgl. LEO Online Wörterbuch Englisch der TU München), der in dieser Bedeutung auch gängiger Bestandteil der deutschen Sprache geworden ist und verwendet wird für "mehrere zusammengehörende gleichartige oder sich ergänzende Gegenstände" (vgl. Duden-Deutsches Universalwörterbuch- CD-ROM).

Der Begriff "Set" wird - wie auch anhand der in der mündlichen Verhandlung übergebenen Belege ausführlich erörtert - in Alleinstellung oder auch in Zusammensetzung in vielen Warenbereichen verwendet, um auf die Zusammenstellung mehrerer gleicher oder auch verschiedener aufeinander abgestimmter Produkte hinzuweisen, deren Kauf gegenüber dem Einzelstück in der Regel einen Preisvorteil bieten soll. So werden Produkte entweder zusammen mit den passenden Accessoires oder auch die gleiche Ware in verschiedenen Größen angeboten.

Wie aus den der Anmelderin übersandten Internetrecherchebelegen ersichtlich wird der Begriff "SET" im Bereich der Optik insbesondere dem hier einschlägigen Warengebiet der Brillengläser neben dem Hinweis auf beispielsweise ein Set bestehend aus Brille, Brillenetui und Brillenputztuch oder Brille und zusätzlichem Sonnenbrillenclip oder auf ein Brillenset bestehend aus verschiedenen Glasstärken (vgl. http://www.prprofitable.de/text_60.html) insbesondere bei farbigen Brillengläsern verwendet. Diese werden im Set bestehend aus Brille und mehreren verschiedenfarbigen Wechselgläsern angeboten (vgl. beispielsweise http://www.-suchtop.de/augenoptik_brillen.html; http://.norimed.de/brillen.htm), um zum einen bei wechselnden Sichtverhältnissen eine vielfältige Einsatzbreite der angebotenen Brille zu ermöglichen zum anderen eine leichtere Handhabung und einen Preisvorteil gegenüber mehreren Einzelbrillen oder Einzelgläsern.

Hieraus wird deutlich, dass es sich bei "SET" um einen schlagwortartigen Begriff der Werbesprache handelt, für den ein breiter Anwendungs- und Einsatzbereich besteht.

Es liegt für den Verkehr in Bezug auf die beanspruchten Waren deshalb nahe, die angemeldete Bezeichnung "SET" als werbemäßigen Hinweis auf eine irgendwie geartete Zusammenstellung mehrerer Waren zu sehen. Die Bezeichnung "SET" ergibt damit unter Bezugnahme auf die beanspruchten Waren die zur Beschreibung geeignete Sachaussage, dass es sich nach Art, Beschaffenheit oder Bestimmung um Waren handeln kann, die als Teile eines Satzes zweier oder mehrerer gleicher Waren oder einer Zusammenstellung zweier oder mehrerer aufeinander abgestimmter Waren verwendet werden können oder für derartige Teile eines Satzes, einer Zusammenstellung bestimmt sind.

Dabei ist es nicht erforderlich, dass die beanspruchten Waren selbst ein derartiges Set sind. Da sich § 8 Abs. 2 Nr. 2 MarkenG nicht nur auf Eigenschaften einer Ware bezieht, sondern auch auf deren Bestimmung und Verwendung, ist "SET" damit auch als beschreibender Hinweis in Bezug auf die beanspruchten Beschichtungen für Brillengläser zu verstehen. Auch hierfür ist eine Bestimmung beispielsweise zur Verwendung für farbig beschichtete Brillengläser denkbar, die im Set - also als Zusammenstellung mehrerer Einzelwaren - vertrieben werden.

Zudem wird die Beschichtung als Verfahren und zusätzliche Ausstattung der Brillengläser nicht ohne Schichtträger (Gläser) vom Abnehmer bezogen, sondern wird in Verbindung mit optischen Gläsern/Brillengläsern angeboten, die eben in der Variante beschichtet oder unbeschichtet erhältlich sind. Nach erfolgter Beschichtung ist diese vom Brillenglas nicht mehr ablösbar.

Auch ein möglicher weiterer zusätzlicher Begriffsgehalt der angemeldeten Bezeichnung "SET" kann eine Schutzfähigkeit nicht begründen, da ein Wortzeichen von der Eintragung ausgeschlossen ist, wenn es zumindest in einer seiner möglichen Bedeutungen ein Merkmal der in Frage stehenden Waren bezeichnet (vgl. EuGH MarkenR, 2003, 450 DOUBLEMINT).

Es ist zudem nicht erforderlich, dass der Angabe "SET" entnommen werden kann, aus welchen konkreten Teilen das Set besteht bzw. wie die Einzelteile des Sets konkret beschaffen sind. So gibt "SET" den Hinweis, dass es sich nicht um das Angebot eines Einzelproduktes handelt, sondern um ein Warenangebot im Doppelpack oder auch in größeren Stückzahlen oder im Paket mit anderen Produkten. Es handelt sich zwar um eine eher allgemein gehaltene Angabe, aber um eine hinsichtlich ihrer Verwendung und Einsatzbreite - z. B. im Gegensatz zu Brillen ohne Wechselgläser - sowie hinsichtlich der Preisgestaltung - da höheren Stückzahlen bekanntermaßen eine andere Preiskalkulation zugrunde liegt - bedeutsame Sachinformation. Es muss den Mitkonkurrenten daher unbenommen bleiben, die zwar allgemein gehaltene Sachangabe "SET" auch unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Bedeutung zur Beschreibung ihrer Waren zur Verfügung zu haben (vgl. EuGH a. a. O. Postkantoor; Ströbele/Hacker a. a. O. § 8 Rdn. 295).

Soweit sich die Anmelderin auf Voreintragungen beruft, vermag dies nicht zu einer Bindungswirkung führen. Da die Entscheidung über die Schutzfähigkeit einer Marke keine Ermessens- sondern eine reine Rechtsfrage darstellt, kann sich aus einer inländischen Voreintragung für sich oder in Verbindung mit dem Gleichheitssatz keine anspruchsbegründende Selbstbindung für das Eintragungsverfahren ergeben (vgl. Ströbele/Hacker a. a. O. § 8 Rdn. 262).

Dr. Buchetmann Paetzold Hartlieb Cl






BPatG:
Beschluss v. 12.12.2005
Az: 30 W (pat) 130/04


Link zum Urteil:
https://www.admody.com/urteilsdatenbank/eb98733b417d/BPatG_Beschluss_vom_12-Dezember-2005_Az_30-W-pat-130-04


Admody

Rechtsanwälte Aktiengesellschaft

Theaterstraße 14 C
30159 Hannover
Deutschland


Tel.: +49 (0) 511 60 49 81 27
Fax: +49 (0) 511 67 43 24 73

service@admody.com
www.admody.com

Kontaktformular
Rückrufbitte



Für Recht.
Für geistiges Eigentum.
Für Schutz vor unlauterem Wettbewerb.
Für Unternehmen.
Für Sie.



Justitia

 


Bundesweite Dienstleistungen:

  • Beratung
  • Gerichtliche Vertretung
  • Außergerichtliche Vertretung

Rechtsgebiete:

Gewerblicher Rechtsschutz

  • Markenrecht
  • Wettbewerbsrecht
  • Domainrecht
  • Lizenzrecht
  • Designrecht
  • Urheberrecht
  • Patentrecht
  • Lauterkeitsrecht
  • Namensrecht

Handels- & Gesellschaftsrecht

  • Kapitalgesellschaftsrecht
  • Personengesellschaftsrecht
  • Handelsgeschäftsrecht
  • Handelsstandsrecht
  • Internationales Kaufrecht
  • Internationales Gesellschaftsrecht
  • Konzernrecht
  • Umwandlungsrecht
  • Kartellrecht
  • Wirtschaftsrecht

IT-Recht

  • Vertragsrecht der Informationstechnologien
  • Recht des elektronischen Geschäftsverkehrs
  • Immaterialgüterrecht
  • Datenschutzrecht
  • Telekommunikationsrecht


Diese Seite teilen (soziale Medien):

LinkedIn+ Social Share Twitter Social Share Google+ Social Share Facebook Social Share








Admody Rechtsanwälte Aktiengesellschaft



Jetzt Kontakt aufnehmen:

Per Telefon: +49 (0) 511 60 49 81 27.

Per E-Mail: service@admody.com.

Zum Kontaktformular.





Admody Rechtsanwälte Aktiengesellschaft Stamp Logo




Hinweise zur Urteilsdatenbank:
Bitte beachten Sie, dass das in der Urteilsdatenbank veröffentlichte Urteil weder eine rechtliche noch tatsächliche Meinung der Admody Rechtsanwälte Aktiengesellschaft widerspiegelt. Es wird für den Inhalt keine Haftung übernommen, insbesondere kann die Lektüre eines Urteils keine Beratung im Einzelfall ersetzen. Bitte verlassen Sie sich nicht darauf, dass die Entscheidung in der hier angegeben Art und Weise Bestand hat oder von anderen Gerichten in ähnlicher Weise entschieden werden würde.
Lizenzhinweis: Enthält Daten von O‌p‌e‌n‌j‌u‌r, die unter der Open Database License (ODbL) veröffentlicht wurden.
Sollten Sie sich auf die angegebene Entscheidung verlassen wollen, so bitten Sie das angegebene Gericht um die Übersendung einer Kopie oder schlagen in zitierfähigen Werken diese Entscheidung nach.
Durch die Bereitstellung einer Entscheidung wird weder ein Mandatsverhähltnis begründet noch angebahnt.
Sollten Sie eine rechtliche Beratung und/oder eine Ersteinschätzung Ihres Falles wünschen, zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren.


"Admody" und das Admody-Logo sind registrierte Marken von
Rechtsanwalt Sebastian Höhne, LL.M., LL.M.

22.05.2022 - 03:55 Uhr

Tag-Cloud:
Rechtsanwalt Domainrecht - Rechtsanwalt Internetrecht - Rechtsanwalt Markenrecht - Rechtsanwalt Medienrecht - Rechtsanwalt Wettbewerbsrecht - Mitbewerber abmahnen lassen - PayPal Konto gesperrt


Aus der Urteilsdatenbank
LG Dortmund, Urteil vom 15. Januar 2016, Az.: 3 O 610/15 - BPatG, Beschluss vom 5. März 2009, Az.: 30 W (pat) 81/06 - OLG Hamm, Beschluss vom 16. Mai 2011, Az.: I-8 AktG 1/11 - LG Hamburg, Beschluss vom 15. Juli 2005, Az.: 414 O 99/01 - BPatG, Beschluss vom 1. Dezember 2005, Az.: 5 W (pat) 450/03 - BPatG, Beschluss vom 23. Juni 2005, Az.: 10 W (pat) 12/04 - BPatG, Beschluss vom 28. Januar 2003, Az.: 6 W (pat) 21/02 - BPatG, Beschluss vom 12. April 2000, Az.: 32 W (pat) 457/99 - OLG München, Urteil vom 31. Januar 2008, Az.: 6 U 2464/97 - OLG Köln, Urteil vom 5. Mai 1995, Az.: 6 U 244/89