Bundespatentgericht:
Beschluss vom 18. Juli 2001
Aktenzeichen: 26 W (pat) 266/00

Tenor

Auf die Beschwerde der Anmelderin wird der Beschluß der Markenstelle für Klasse 37 des Deutschen Patent- und Markenamts vom 14. August 2000 aufgehoben.

Die Rückzahlung der Beschwerdegebühr wird angeordnet.

Gründe

I.

Die Beschwerdeführerin, die in der Markenanmeldung als "Emschergenossenschaft" bezeichnet wird, hat die Wortfolge Aquic Gesellschaft für wasserwirtschaftliche Dienstleistungen mbH für die Waren und Dienstleistungen

"36: Finanzierung wasserwirtschaftlicher Anlagen 37: Wasserbau, insbesondere Bau von Anlagen zur Beschaffung und Bereitstellung von Wasser zu Trinkwasser- und Betriebswasserversorgung, zur Regelung des Wasserabflusses einschließlich Ausgleich der Wasserführung und Sicherung des Hochwasserabflusses der oberirdischen Gewässer, zur Beseitigung oder Aufbereitung von Abwässern, zur Entsorgung der bei der Beseitigung oder Aufbereitung oder bei der Regelung des Abwasserflusses anfallenden Abfälle, zur Regelung des Grundwasserstandes, zur Ausnutzung der Wasserkraft; technische Planung, Wartung und Instandsetzung sowie der Betrieb der vorgenannten Anlagen; Durchführung von Wasser- und Bodenuntersuchungen, Erstellung von wasserwirtschaftlichen Gutachten;

42: Technische Beratung und gutachterliche Tätigkeit auf dem Gebiet des Wasserbaus und der Wasserwirtschaft; Landschaftsgestaltung;

41: Herausgabe von Druckschriften auf dem Gebiet des Wasserbaus und der Wasserwirtschaft;

16: Druckschriften"

zur Eintragung in das Markenregister angemeldet.

In der Bescheinigung der Markenabteilung des Deutschen Patent- und Markenamts vom 27. März 2000 über den Eingang der Markenanmeldung wird als Anmelderin die "Emschergenossenschaft Körperschaft des öffentlichen Rechts" angegeben.

Mit Bescheid vom 12. Mai 2000 hat die Markenstelle für Klasse 37 die Angaben in der Anmeldung zur Rechtsnatur der Anmelderin als unklar und die beanspruchte Dienstleistung "Betrieb der vorgenannten Anlagen" als klärungsbedürftig beanstandet. Diese Beanstandung bezog sich nach den beiden angegebenen Aktenzeichen jedoch nicht auf die vorliegende Anmeldung sondern auf zwei andere, zeitgleich eingereichten Markenanmeldungen der Beschwerdeführerin.

Die Markenstelle hat die Anmeldung mit Beschluß vom 14. August 2000 gem. § 36 Abs. 1 MarkenG mit der Begründung zurückgewiesen, die Anmelderin sei ihrer Mitwirkungspflicht nicht nachgekommen. Die Rechtsträgerschaft der Anmelderin sei gem. § 7 MarkenG klärungsbedürftig. Außerdem sei unklar, ob die begehrte Dienstleistung "Betrieb von Anlagen" wirklich eine selbständige Dienstleistung für Dritte sei oder ob nicht in Wirklichkeit der Betrieb einer eigenen Anlage für die Anmelderin selbst im Vordergrund stehe.

Hiergegen richtet sich die Beschwerde der Anmelderin, die sich in der Beschwerdeschrift als "Emschergenossenschaft Körperschaft des öffentlichen Rechts" bezeichnet. Die Beschwerde ist damit begründet, daß entgegen den Ausführungen der Markenstelle im angefochtenen Beschluß zur vorliegenden Markenanmeldung kein Bescheid vom 12. Mai 2000, sondern ein solcher lediglich zu zwei weiteren zeitgleich eingereichten Markenanmeldungen der Anmelderin ergangen sei. Wie der Empfangsbescheinigung zu der vorliegenden Markenanmeldung entnommen werden könne, habe die Anmelderangabe in diesen Verfahren offenbar keiner Klärung bedurft. Auch von daher sei für die Anmelderin eine Mitwirkungspflicht in keinster Weise erkennbar gewesen. Da in dieser Markenanmeldung auch kein Amtsbescheid zur Formulierung des Dienstleistungsverzeichnisses ergangen sei, leide das Anmeldeverfahren vor dem Deutschen Patent- und Markenamt an einem erheblichen Mangel, weshalb die Beschwerdegebühr zurückzuzahlen sei. Im übrigen betreibe die Anmelderin für Kommunen wasserwirtschaftliche Anlagen. Es handele sich hierbei um eine selbständige Dienstleistung für Dritte. Die diesbezüglich gewählte Formulierung im Dienstleistungsverzeichnis sei auch nicht anders zu verstehen.

Demgemäß beantragt die Anmelderin sinngemäß, den angefochtenen Beschluß aufzuheben, hilfsweise die beanstandete Formulierung durch "Betrieb vorgenannter Anlagen im Auftrage Dritter gegen Entgelt" zu ersetzen.

II.

Die zulässige Beschwerde hat in der Sache Erfolg. Die Zurückweisung der Anmeldung durch die Markenstelle war nicht gerechtfertigt, denn die Anmelderin hat ihre Mitwirkungspflicht bei der Prüfung der Anmeldungserfordernisse (§ 36 MarkenG) nicht verletzt.

Die Eintragung einer Marke in das Register kann nach § 41 S. 1 MarkenG u.a. nur dann versagt werden, wenn die Anmeldung nicht den formellen Anmeldungserfordernissen nach § 36 MarkenG entspricht. Insoweit hat die Markenstelle zu prüfen, ob der Anmelder nach § 36 Abs. 1 Nr. 4 i.V.m. § 7 MarkenG Inhaber einer eingetragenen Marke sein kann und ob die Anmeldung den weiteren Anmeldungserfordernissen gem. § 32 Abs. 3, § 65 Abs. 1 Nr. 2 MarkenG i.V.m. den §§ 14 f. MarkenV genügt. Wenn die Markenstelle bei ihrer Prüfung der Anmeldungserfordernisse Mängel feststellt, hat sie dem Anmelder zur Wahrung des rechtlichen Gehörs eine Frist zur Mängelbeseitigung zu setzen (§ 59 Abs. 2 MarkenG).

Eine derartige Beanstandung mit Fristsetzung läßt sich den Akten jedoch nicht entnehmen. Der Amtsbescheid vom 12. Mai 2000 zu den beiden zeitgleich von der Anmelderin eingereichten Anmeldungen vermag jedenfalls im vorliegenden Verfahren die erforderliche Beanstandung und Fristsetzung nicht zu ersetzen, weil die Bescheinigung des Empfangs der vorliegenden Anmeldung vom 27. März 2000 gerade keinen Hinweis auf eine Beanstandung enthielt, so daß die angefochtene Entscheidung aufzuheben war.

Von einer etwaigen Zurückverweisung des Verfahrens gem. § 70 Abs. 3 Nr. 2 MarkenG wegen eines wesentlichen Verfahrensmangels hat der Senat abgesehen, weil die Anmelderin ihre Rechtsform bereits in Übereinstimmung mit den Angaben in der Empfangsbescheinigung vom 27. März 2000 durch den Zusatz "Körperschaft des öffentlichen Rechts" klargestellt hat. Entgegen der im angefochtenen Beschluß vertretenen Auffassung bedarf die von der Markenstelle beanstandete Dienstleistung "Betrieb der vorgenannten Anlagen" keiner zusätzlichen Klarstellung. Denn wie aus dem Zusammenhang mit den übrigen sonst zur Klasse 37 aufgeführten Dienstleistungen "technische Planung, Wartung und Instandsetzung sowie der Betrieb der vorgenannten Anlagen" hervorgeht, handelt es sich hierbei um selbständige Dienstleistungen für Dritte.

Die Pflicht zur Rückzahlung der Beschwerdegebühr ergibt sich aus § 71 Abs. 3 i.V.m. § 59 Abs. 2 MarkenG. Die Entscheidung des Patentamts ist auf Umstände gestützt, zu denen sich die Anmelderin vor Erlaß der Entscheidung nicht äußern konnte. Da dieser Verfahrensfehler die Beschwerdeeinlegung notwendig machte, entspricht es im vorliegenden Verfahren der Billigkeit, die Rückzahlung der Beschwerdegebühr anzuordnen.






BPatG:
Beschluss v. 18.07.2001
Az: 26 W (pat) 266/00


Link zum Urteil:
https://www.admody.com/urteilsdatenbank/6c22ee8cd1dd/BPatG_Beschluss_vom_18-Juli-2001_Az_26-W-pat-266-00


Admody Rechtsanwälte Aktiengesellschaft

Bahnhofstraße 8
30159 Hannover
Deutschland


Tel.: +49 (0) 511 93 63 92 62
Fax: +49 (0) 511 64 69 36 80

service@admody.com
www.admody.com

Kontaktformular
Rückrufbitte



Für Recht.
Für geistiges Eigentum.
Für Schutz vor unlauterem Wettbewerb.
Für Unternehmen.
Für Sie.



Justitia

 


Bundesweite Dienstleistungen:

  • Beratung
  • Gerichtliche Vertretung
  • Außergerichtliche Vertretung
  • Gutachtenerstellung
  • Inkasso

Rechtsgebiete:

Gewerblicher Rechtsschutz

  • Markenrecht
  • Wettbewerbsrecht
  • Domainrecht
  • Lizenzrecht
  • Designrecht
  • Urheberrecht
  • Patentrecht
  • Lauterkeitsrecht
  • Namensrecht

Handels- & Gesellschaftsrecht

  • Kapitalgesellschaftsrecht
  • Personengesellschaftsrecht
  • Handelsgeschäftsrecht
  • Handelsstandsrecht
  • Internationales Kaufrecht
  • Internationales Gesellschaftsrecht
  • Konzernrecht
  • Umwandlungsrecht
  • Kartellrecht
  • Wirtschaftsrecht

IT-Recht

  • Vertragsrecht der Informationstechnologien
  • Recht des elektronischen Geschäftsverkehrs
  • Immaterialgüterrecht
  • Datenschutzrecht
  • Telekommunikationsrecht


Diese Seite teilen (soziale Medien):

LinkedIn+ Social Share Twitter Social Share Google+ Social Share Facebook Social Share








Admody Rechtsanwälte Aktiengesellschaft



Jetzt Kontakt aufnehmen:

Per Telefon: +49 (0) 511 93 63 92 62.

Per E-Mail: service@admody.com.

Zum Kontaktformular.





Admody Rechtsanwälte Aktiengesellschaft Stamp Logo




Hinweise zur Urteilsdatenbank:
Bitte beachten Sie, dass das in der Urteilsdatenbank veröffentlichte Urteil weder eine rechtliche noch tatsächliche Meinung der Admody Rechtsanwälte Aktiengesellschaft widerspiegelt. Es wird für den Inhalt keine Haftung übernommen, insbesondere kann die Lektüre eines Urteils keine Beratung im Einzelfall ersetzen. Bitte verlassen Sie sich nicht darauf, dass die Entscheidung in der hier angegeben Art und Weise Bestand hat oder von anderen Gerichten in ähnlicher Weise entschieden werden würde.
Lizenzhinweis: Enthält Daten von O‌p‌e‌n‌j‌u‌r, die unter der Open Database License (ODbL) veröffentlicht wurden.
Sollten Sie sich auf die angegebene Entscheidung verlassen wollen, so bitten Sie das angegebene Gericht um die Übersendung einer Kopie oder schlagen in zitierfähigen Werken diese Entscheidung nach.
Durch die Bereitstellung einer Entscheidung wird weder ein Mandatsverhähltnis begründet noch angebahnt.
Sollten Sie eine rechtliche Beratung und/oder eine Ersteinschätzung Ihres Falles wünschen, zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren.


"Admody" und das Admody-Logo sind registrierte Marken von
Rechtsanwalt Sebastian Höhne, LL.M., LL.M.

26.11.2020 - 02:09 Uhr

Tag-Cloud:
Rechtsanwalt Domainrecht - Rechtsanwalt Internetrecht - Rechtsanwalt Markenrecht - Rechtsanwalt Medienrecht - Rechtsanwalt Wettbewerbsrecht - Mitbewerber abmahnen lassen - PayPal Konto gesperrt


Aus der Urteilsdatenbank
LG Dortmund, Urteil vom 15. Januar 2016, Az.: 3 O 610/15 - BPatG, Beschluss vom 5. März 2009, Az.: 30 W (pat) 81/06 - OLG Hamm, Beschluss vom 16. Mai 2011, Az.: I-8 AktG 1/11 - OLG Köln, Urteil vom 13. Juni 2014, Az.: 6 U 204/13 - KG, Urteil vom 18. Dezember 2008, Az.: 23 U 95/08 - BPatG, Urteil vom 7. März 2001, Az.: 4 Ni 18/00 - BPatG, Beschluss vom 14. Februar 2002, Az.: 25 W (pat) 159/00 - OLG Hamburg, Beschluss vom 20. Juni 2005, Az.: 3 Vollz (Ws) 44/05 - OLG München, Urteil vom 8. Oktober 2009, Az.: 6 U 2160/08, 6 U 1575/08 - BPatG, Beschluss vom 31. Juli 2000, Az.: 30 W (pat) 269/99