Bundespatentgericht:
Beschluss vom 3. Juli 2001
Aktenzeichen: 27 W (pat) 79/99

Tenor

Auf die Beschwerde der Markeninhaberin werden die Beschlüsse der Markenstelle für Klasse 25 IR des Deutschen Patent- und Markenamts vom 7. Dezember 1998 und vom 14. November 1997 aufgehoben.

Gründe

I.

Die international für verschiedene Waren der Klassen 18 und 25 (farbig) registrierte Marke 649 166 http://agora/bpatg2/docs/27W(pat)79-99.3.gifsoll in Deutschland Schutz erhalten.

Die Markenstelle für Klasse 25 IR des Patentamts hat ihr zunächst in einem Erstbeschluß den Schutz insgesamt, dann in einem Erinnerungsbeschluß nur noch teilweise (nämlich für Waren, die nach Meinung des Erinnerungsprüfers in irgendeinem Zusammenhang mit Schuhen stehen können) versagt, weil ihr die erforderliche Unterscheidungskraft fehle. Die Marke sei ohne weiteres als warenbezogene Werbeaussage zu verstehen (dh im Sinne von "shoe for you" = "Schuh für dich"). Die Bestandteile "shoe" und "you" der Marke, die dem englischen Grundwortschatz entstammten, würden auch im Inland problemlos verstanden, zumal ähnliche (englische) Slogans werbeüblich seien, wie sich aus verschiedenen einschlägigen Veröffentlichungen ergebe. Für den Verkehr liege es auch nahe, die Ziffer "4" im Sinne von "for" zu verstehen, weil eine solche Verwendung ebenfalls werbeüblich sei, wofür die Markenstelle verschiedene Nachweise vorgelegt hat. Daran ändere auch nichts die grafische Ausgestaltung der Marke, die sich in werbeüblichem Rahmen halte.

Gegen den Erinnerungsbeschluß hat die Markeninhaberin Beschwerde eingelegt. Sie hält die Marke für schutzfähig, wobei sie sich insbesondere auf Urteile in einem zugunsten einer Drittfirma entschiedenen Rechtsstreit stützt (LG Mannheim vom 28. Juni 1996 - 7 O 84/96 - und OLG Karlsruhe vom 14. Mai 1997 - 6 U 145/96). Aus diesen Entscheidungen ergebe sich, daß schon das Ersetzen der Präposition "for" durch die Zahl "4" die Marke schutzfähig mache. Auch der Bundesgerichtshof teile diese Ansicht offensichtlich, da er im Nichtannahmebeschluß (vom 15. Januar 1998 - I ZR 146/97) festgestellt habe, daß die Revision auch sachlich keinen Erfolg haben würde. Die Markeninhaberin regt an, gegebenenfalls die Rechtsbeschwerde zuzulassen.

Wegen der Einzelheiten wird auf den Akteninhalt verwiesen.

II.

Die Beschwerde mußte im Ergebnis Erfolg haben, da der Schutzbewilligung (insbesondere) die Vorschriften des § 8 Abs 2 Nr 1 und 2 (iVm §§ 108, 113) MarkenG nicht entgegenstehen.

Der Senat geht allerdings mit der Markenstelle davon aus, daß die (schlichte) Wort- und Zahlenfolge "shoe 4 you" für bestimmte Waren (also zB Schuhe jeder Art) keine hinreichende markenrechtliche Unterscheidungskraft besitzt, weil es sich dabei um eine allgemeinverständliche, rein sachbezogene Aussage handelt, mit der ein Produkt in werbeüblicher Weise dem potentiellen Käufer als kaufwürdig angepriesen wird. Wie von der Markeninhaberin letztlich nicht bestritten und auch von der Markenstelle im einzelnen unter Hinweis auf einschlägige Veröffentlichungen dargelegt, ist sowohl die Verwendung der englischen Sprache als auch das Ersetzen der Präposition "for" durch die Zahl "4" werbeüblich und mittlerweile weit verbreitet (vgl zB BPatG BlPMZ 1996, 134 "4 YOU"; außerdem 30 W (pat) 42/00 "SCAN 2 PRINT", veröffentlicht in PAVIS PROMA). An der Schutzunfähigkeit solcher Aussagen ändert nichts die von der Markeninhaberin in diesem Zusammenhang herangezogene Entscheidung des Oberlandesgerichts Karlsruhe. Der dortigen Argumentation (S 4), gerade durch die Häufigkeit der Verwendung derartiger Zahl-Wort-Kombinationen mit einheitlichem Sinngehalt werde deren individualisierende Wirkung "vielmehr bestätigt", vermag der Senat nicht zu folgen. Abgesehen davon, daß nicht verständlich ist, woher die individualisierende und herkunftskennzeichnende Wirkung einer häufig sachbezogen verwendeten Angabe kommen sollte, widerspricht dies auch den Ausführungen des Bundesgerichtshofs in der "FOR YOU"-Entscheidung (MarkenR 1999, 351, 354, liSp 2. Abs), wonach einer Marke dann die erforderliche Unterscheidungskraft fehlt, wenn festgestellt werden kann, daß "der Verkehr infolge einer entsprechenden Verwendung in der Werbung die Wortfolge nur als eine englischsprachige schlagwortartige Aussage versteht".

Letztlich können diese Fragen hier aber offen bleiben, da der international registrierten Marke aufgrund ihrer bildlichen Ausgestaltung ein noch hinreichendes Maß an Unterscheidungskraft nicht abgesprochen werden kann. Mit ihrer grafischen und farblichen Gestaltung geht die Marke über die schlichte Sachaussage "shoe for you" hinaus und besitzt insoweit einen (wenn auch vielleicht minimalen) schutzbegründenden Fantasiegehalt und Wiedererkennungswert.

Ein relevantes Freihaltungsbedürfnis ist damit ebenfalls nicht zu erkennen, zumal es hierfür schon an einer konkret warenbeschreibenden Angabe mangelt.

Der Beschwerde war sonach stattzugeben.

Dr. Schade Albert Friehe-Wich Na/Ju






BPatG:
Beschluss v. 03.07.2001
Az: 27 W (pat) 79/99


Link zum Urteil:
https://www.admody.com/urteilsdatenbank/63236f918178/BPatG_Beschluss_vom_3-Juli-2001_Az_27-W-pat-79-99


Admody

Rechtsanwälte Aktiengesellschaft

Theaterstraße 14 C
30159 Hannover
Deutschland


Tel.: +49 (0) 511 60 49 81 27
Fax: +49 (0) 511 67 43 24 73

service@admody.com
www.admody.com

Kontaktformular
Rückrufbitte



Für Recht.
Für geistiges Eigentum.
Für Schutz vor unlauterem Wettbewerb.
Für Unternehmen.
Für Sie.



Justitia

 


Bundesweite Dienstleistungen:

  • Beratung
  • Gerichtliche Vertretung
  • Außergerichtliche Vertretung

Rechtsgebiete:

Gewerblicher Rechtsschutz

  • Markenrecht
  • Wettbewerbsrecht
  • Domainrecht
  • Lizenzrecht
  • Designrecht
  • Urheberrecht
  • Patentrecht
  • Lauterkeitsrecht
  • Namensrecht

Handels- & Gesellschaftsrecht

  • Kapitalgesellschaftsrecht
  • Personengesellschaftsrecht
  • Handelsgeschäftsrecht
  • Handelsstandsrecht
  • Internationales Kaufrecht
  • Internationales Gesellschaftsrecht
  • Konzernrecht
  • Umwandlungsrecht
  • Kartellrecht
  • Wirtschaftsrecht

IT-Recht

  • Vertragsrecht der Informationstechnologien
  • Recht des elektronischen Geschäftsverkehrs
  • Immaterialgüterrecht
  • Datenschutzrecht
  • Telekommunikationsrecht


Diese Seite teilen (soziale Medien):

LinkedIn+ Social Share Twitter Social Share Google+ Social Share Facebook Social Share








Admody Rechtsanwälte Aktiengesellschaft



Jetzt Kontakt aufnehmen:

Per Telefon: +49 (0) 511 60 49 81 27.

Per E-Mail: service@admody.com.

Zum Kontaktformular.





Admody Rechtsanwälte Aktiengesellschaft Stamp Logo




Hinweise zur Urteilsdatenbank:
Bitte beachten Sie, dass das in der Urteilsdatenbank veröffentlichte Urteil weder eine rechtliche noch tatsächliche Meinung der Admody Rechtsanwälte Aktiengesellschaft widerspiegelt. Es wird für den Inhalt keine Haftung übernommen, insbesondere kann die Lektüre eines Urteils keine Beratung im Einzelfall ersetzen. Bitte verlassen Sie sich nicht darauf, dass die Entscheidung in der hier angegeben Art und Weise Bestand hat oder von anderen Gerichten in ähnlicher Weise entschieden werden würde.
Lizenzhinweis: Enthält Daten von O‌p‌e‌n‌j‌u‌r, die unter der Open Database License (ODbL) veröffentlicht wurden.
Sollten Sie sich auf die angegebene Entscheidung verlassen wollen, so bitten Sie das angegebene Gericht um die Übersendung einer Kopie oder schlagen in zitierfähigen Werken diese Entscheidung nach.
Durch die Bereitstellung einer Entscheidung wird weder ein Mandatsverhähltnis begründet noch angebahnt.
Sollten Sie eine rechtliche Beratung und/oder eine Ersteinschätzung Ihres Falles wünschen, zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren.


"Admody" und das Admody-Logo sind registrierte Marken von
Rechtsanwalt Sebastian Höhne, LL.M., LL.M.

14.08.2022 - 07:36 Uhr

Tag-Cloud:
Rechtsanwalt Domainrecht - Rechtsanwalt Internetrecht - Rechtsanwalt Markenrecht - Rechtsanwalt Medienrecht - Rechtsanwalt Wettbewerbsrecht - Mitbewerber abmahnen lassen - PayPal Konto gesperrt


Aus der Urteilsdatenbank
LG Dortmund, Urteil vom 15. Januar 2016, Az.: 3 O 610/15 - BPatG, Beschluss vom 5. März 2009, Az.: 30 W (pat) 81/06 - OLG Hamm, Beschluss vom 16. Mai 2011, Az.: I-8 AktG 1/11 - OLG Karlsruhe, Beschluss vom 2. Oktober 2007, Az.: 6 W 58/07 - BPatG, Beschluss vom 10. August 2004, Az.: 27 W (pat) 345/03 - BPatG, Beschluss vom 9. September 2003, Az.: 27 W (pat) 134/03 - BPatG, Beschluss vom 3. Juli 2001, Az.: 9 W (pat) 3/01 - LG Hamburg, Urteil vom 1. Juni 2016, Az.: 308 O 281/15 - LG Düsseldorf, Urteil vom 8. November 2000, Az.: 2a O 192/00 - KG, Urteil vom 12. Oktober 2012, Az.: 5 U 19/12