Oberlandesgericht München:
Urteil vom 22. Januar 2009
Aktenzeichen: 29 U 4943/08

Tenor

I. Die Berufung des Antragstellers gegen das Urteil des Landgerichts München I vom 28. August 2008 wird zurückgewiesen.

II. Die Kosten des Rechtstreits werden gegeneinander aufgehoben.

Gründe

Das Urteil wird gemäß § 540 Abs. 1 Satz 2 ZPO zu Protokoll wie folgt begründet:

I. Von einem Tatbestand wird gemäß § 540 Abs. 2, § 313a Abs. 1 Satz 1 ZPO abgesehen.

II. Hinsichtlich des Antrags Ziffer I. 2. der Antragsschrift ist der Rechtsstreit übereinstimmend für erledigt erklärt worden. Insoweit hat die Antragsgegnerin die Kosten des Rechtsstreits gemäß der von ihr abgegebenen Kostenübernahmeerklärung zu tragen.

III. Soweit der Rechtsstreit nach Teilerledigterklärung noch anhängig ist, erweist sich die zulässige Berufung als unbegründet.

51. Die angegriffene Werbeaussage (vgl. Antrag Ziffer I. 1. der Antragsschrift) verstößt nicht gegen § 11 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 HWG und ist nicht deshalb gemäß § 4 Nr. 11 UWG unlauter.

6a) Die Vorschrift des § 11 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 HWG verbietet die Werbung für Arzneimittel außerhalb der Fachkreise mit Angaben, dass das Arzneimittel fachlich empfohlen oder geprüft ist. Da sie damit die Möglichkeiten der Publikumswerbung und dementsprechend die Freiheit der Berufsausübung einschränkt, greift sie nur dann ein, wenn eine Werbemaßnahme zu einer unmittelbaren oder zumindest zu einer mittelbaren Gesundheitsgefährdung führen kann (vgl. BGH GRUR 2004, 799 (800) €Lebertrankapselnm. w. N.;Ringin:Bülow/Ring, HWG, 3. Aufl. 2005, § 11 Abs. 1 Nr. 2 Rz. 3b).

Ein weitergehendes Verbot kann auch der Vorschrift des Art. 90 lit. f der Richtlinie 2001/83/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 6. November 2001 zur Schaffung eines Gemeinschaftskodexes für Humanarzneimittel (ABl. L 311 S. 67) nicht entnommen werden, nach der die Öffentlichkeitswerbung für ein Arzneimittel keine Elemente enthalten darf, die sich auf eine Empfehlung von Wissenschaftlern, von im Gesundheitswesen tätigen Personen oder von Personen beziehen, die weder Wissenschaftler noch im Gesundheitswesen tätige Personen sind, die aber aufgrund ihrer Bekanntheit zum Arzneimittelverbrauch anregen können. Die 45. Begründungserwägung dieser Richtlinie geht davon aus, dass Öffentlichkeitswerbung für Arzneimittel sich auf die öffentliche Gesundheit auswirken könnte, wenn sie übertrieben und unvernünftig ist. Art. 90 lit. f. der Richtlinie 2001/83/EG ist deshalb auf solche Fälle der Öffentlichkeitswerbung beschränkt, die eine Auswirkung auf die öffentliche Gesundheit haben können, setzt mithin ebenfalls eine zumindest mittelbare Gesundheitsgefährdung voraus.

8b) Die damit erforderliche mittelbare Gesundheitsgefährdung kann dem Vorbringen des Antragstellers nicht entnommen werden.

9Der zur Begründung des Antrags Ziffer I. 1. der Antragsschrift angeführte Umstand, dass von dem beworbenen Arzneimittel gesundheitliche Gefahren ausgehen können, ist für ein auf § 11 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 HWG gestütztes Verbot nicht ausreichend. Vielmehr muss gerade von der angegriffenen Werbung die zumindest mittelbare Gesundheitsgefährdung ausgehen.

10Angesichts des im Wettbewerbsrecht maßgeblichen Leitbilds vom durchschnittlich informierten und verständigen Verbraucher, der das Werbeverhalten mit einer der Situation angemessenen Aufmerksamkeit verfolgt (vgl.Köhlerin:Hefermehl/Köhler/Bornkamm, UWG, 26. Aufl. 2008, § 1 UWG Rz. 25 m. w. N.), kann nicht davon ausgegangen werden, dass die die Bewerbung eines Arzneimittels mit der Beurteilungsehr gutdurch den die ZeitschriftÖkotestherausgebenden Verlag in berücksichtigenswertem Umfang dazu führen könnte, dass ein Verbraucher die dem Arzneimittel beigefügten Hinweise auf die Nebenwirkungen des Mittels nicht zu beachten. Ebenso wenig kann davon ausgegangen werden, dass die angegriffene Werbung den Verbraucher dazu veranlasse das Mittel in höheren als den angegebenen Dosen einzunehmen, da bei verständiger Würdigung lediglich die bestimmungsgemäße Verwendung Gegenstand der in der Werbung angeführten Beurteilung gewesen sein konnte.

2. Ob die angegriffene Werbeaussage(vgl. Antrag Ziffer I. 1. der Antragsschrift) gegen § 3 HWG verstößt, kann dahin stehen, da der Antragsteller diesen Verstoß erst in seinem Schriftsatz vom 14. August 2008 und damit nach Verstreichen der Dringlichkeitsschädlichkeitsfrist (vgl. Senat WRP 2008, 972 (975 f.) €Jackpot-Werbungm. w. N.) in das Verfahren eingeführt hat. Insoweit fehlt es jedenfalls an der für den Erlass einer einstweiligen Verfügung erforderlichen Dringlichkeit.

IV. Die Entscheidung über die Kosten beruht auf § 97 Abs. 1, § 91a Abs. 1 Satz 1, § 92 Abs. 1 Satz 1 ZPO.






OLG München:
Urteil v. 22.01.2009
Az: 29 U 4943/08


Link zum Urteil:
https://www.admody.com/urteilsdatenbank/59ab4c87aa52/OLG-Muenchen_Urteil_vom_22-Januar-2009_Az_29-U-4943-08


Admody Rechtsanwälte Aktiengesellschaft

Bahnhofstraße 8
30159 Hannover
Deutschland


Tel.: +49 (0) 511 93 63 92 62
Fax: +49 (0) 511 64 69 36 80

service@admody.com
www.admody.com

Kontaktformular
Rückrufbitte



Für Recht.
Für geistiges Eigentum.
Für Schutz vor unlauterem Wettbewerb.
Für Unternehmen.
Für Sie.



Justitia

 


Bundesweite Dienstleistungen:

  • Beratung
  • Gerichtliche Vertretung
  • Außergerichtliche Vertretung
  • Gutachtenerstellung
  • Inkasso

Rechtsgebiete:

Gewerblicher Rechtsschutz

  • Markenrecht
  • Wettbewerbsrecht
  • Domainrecht
  • Lizenzrecht
  • Designrecht
  • Urheberrecht
  • Patentrecht
  • Lauterkeitsrecht
  • Namensrecht

Handels- & Gesellschaftsrecht

  • Kapitalgesellschaftsrecht
  • Personengesellschaftsrecht
  • Handelsgeschäftsrecht
  • Handelsstandsrecht
  • Internationales Kaufrecht
  • Internationales Gesellschaftsrecht
  • Konzernrecht
  • Umwandlungsrecht
  • Kartellrecht
  • Wirtschaftsrecht

IT-Recht

  • Vertragsrecht der Informationstechnologien
  • Recht des elektronischen Geschäftsverkehrs
  • Immaterialgüterrecht
  • Datenschutzrecht
  • Telekommunikationsrecht


Diese Seite teilen (soziale Medien):

LinkedIn+ Social Share Twitter Social Share Google+ Social Share Facebook Social Share








Admody Rechtsanwälte Aktiengesellschaft



Jetzt Kontakt aufnehmen:

Per Telefon: +49 (0) 511 93 63 92 62.

Per E-Mail: service@admody.com.

Zum Kontaktformular.





Admody Rechtsanwälte Aktiengesellschaft Stamp Logo




Hinweise zur Urteilsdatenbank:
Bitte beachten Sie, dass das in der Urteilsdatenbank veröffentlichte Urteil weder eine rechtliche noch tatsächliche Meinung der Admody Rechtsanwälte Aktiengesellschaft widerspiegelt. Es wird für den Inhalt keine Haftung übernommen, insbesondere kann die Lektüre eines Urteils keine Beratung im Einzelfall ersetzen. Bitte verlassen Sie sich nicht darauf, dass die Entscheidung in der hier angegeben Art und Weise Bestand hat oder von anderen Gerichten in ähnlicher Weise entschieden werden würde.
Lizenzhinweis: Enthält Daten von O‌p‌e‌n‌j‌u‌r, die unter der Open Database License (ODbL) veröffentlicht wurden.
Sollten Sie sich auf die angegebene Entscheidung verlassen wollen, so bitten Sie das angegebene Gericht um die Übersendung einer Kopie oder schlagen in zitierfähigen Werken diese Entscheidung nach.
Durch die Bereitstellung einer Entscheidung wird weder ein Mandatsverhähltnis begründet noch angebahnt.
Sollten Sie eine rechtliche Beratung und/oder eine Ersteinschätzung Ihres Falles wünschen, zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren.


"Admody" und das Admody-Logo sind registrierte Marken von
Rechtsanwalt Sebastian Höhne, LL.M., LL.M.

21.10.2019 - 20:03 Uhr

Tag-Cloud:
Rechtsanwalt Domainrecht - Rechtsanwalt Internetrecht - Rechtsanwalt Markenrecht - Rechtsanwalt Medienrecht - Rechtsanwalt Wettbewerbsrecht - Mitbewerber abmahnen lassen


Aus der Urteilsdatenbank
LG Dortmund, Urteil vom 15. Januar 2016, Az.: 3 O 610/15 - BPatG, Beschluss vom 5. März 2009, Az.: 30 W (pat) 81/06 - OLG Hamm, Beschluss vom 16. Mai 2011, Az.: I-8 AktG 1/11 - LG Duisburg, Urteil vom 15. Dezember 2009, Az.: 24 O 71/09 - BPatG, Beschluss vom 14. Juni 2005, Az.: 27 W (pat) 209/03 - BPatG, Beschluss vom 13. Juli 2011, Az.: 35 W (pat) 472/08 - BPatG, Beschluss vom 26. März 2003, Az.: 30 W (pat) 56/01 - OLG Celle, Urteil vom 24. Juli 2008, Az.: 13 U 14/08 - BPatG, Beschluss vom 30. Juli 2001, Az.: 10 W (pat) 19/01 - BGH, Urteil vom 2. Oktober 2012, Az.: I ZR 37/10